Session: Das Urheberrecht im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit

Was bedeutet es für ein wirtschaftliches Gut, wenn es quasi fast ohne jede menschliche Arbeit millionenfach vervielfältigt werden kann? Ausgehend von der Marx’schen Analyse des Tausch- und Gebrauchswerts von Ware möchte ich die These begründen, daß die Digitalisierung eines Gutes oder eines Werkes deren Tauschwert gegen Null gehen läßt und daß somit das herkömmliche Urheberrecht obsolet werden wird. Gleichzeitig möchte ich an der Geschichte des Urheberrechts dessen Gebundenheit an eine bestimmte historische Gesellschaftsform belegen und somit zeigen, daß das Urheberecht kein «ehernes« Recht ist, das für alle Zeiten Bestand haben muß.

Über die Folgen des freien Zugangs zu Informationen im Netz und das damit verbundene »Verschwinden des Urheberrechts« wird meistens (von interessierter Seite) nur gejammert, selten werden diese aber analysiert. Ich möchte daher einmal zeigen, daß das (bürgerliche) Urheberrecht an eine bestimmte Produktionsform gebunden ist und sich unter gesellschaftlichen Veränderungen nicht mehr halten läßt. Darauf aufbauend möchte ich im zweiten Teil meines Vortrages mögliche Strategien beleuchten, die dem Urheber trotzdem ein Einkommen für seine Tätigkeiten sichern können, auch wenn sein Werk offen für alle im Netz zur Verfügung steht. Meine Überlegungen sind »work in progress«, daher lade ich zur Diskussion darüber ein.